Carola Rackete
Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete Foto: Paul Lovis Wagner / Sea-Watch.org

Videokonferenz mit Carola Rackete zum Thema Gerechtigkeit

von Anna Neumann

30.06.2020

Auch ihre Pläne hat die Corona-Pandemie durcheinandergewirbelt. Sie sei in Deutschland gestrandet, erzählte Carola Rackete (32) im letzten Teil der Videokonferenz-Serie über Gerechtigkeit.


Die Kapitänin der Seawatch 3 und Klimaaktivistin war zusammen mit dem Kölner Sozialpfarrer Franz Meurer Gesprächspartnerin in der gemeinsamen Veranstaltung der Evangelischen Erwachsenenbildung An Sieg und Rhein, dem Kreisdekanat Rhein-Sieg, dem katholisch-sozialen institut (ksi), dem katholischen Bildungswerk im Rhein-Sieg-Kreis und dem Treffpunkt am Markt, Siegburg. Der genaue Titel: „Gerechtigkeit? Die lasse ich mir nicht nehmen“.

Eigentlich sollte Carola Rackete weiterhin in Südamerika bzw. auf Forschungsreise sein – wie so häufig. In den Polargebieten seien die Auswirkungen des Klimawandels viel stärker sichtbar als hierzulande: Gletscher schmelzen, Permafrost taut. Die spätestens seit ihrer Verhaftung 2019 durch italienische Behörden vielen Menschen bekannte Kapitänin schließt sich der Maxime an: global denken und lokal handeln. Es gelte, etwas zu unternehmen – Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken retten, dem Klimawandel etwas entgegensetzen. Auch Franz Meurer, Pfarrer in den Kölner Stadtteilen Höhenberg und Vingst, rief in der Zoomkonferenz zum Handeln auf. Man komme nicht in den Himmel durch Beten. Jesus habe vielmehr gefragt: Was hast du getan?

Wie sie mit Risiken umgehen, war eine der Fragen in der Videokonferenz. Über das Risiko von Kriminalisierung und Verhaftung werde vorher gesprochen, erklärte Carola Rackete, deren Untersuchungsverfahren in Italien derzeit noch läuft. „Weiße Privilegien“ riskieren, Gefängnis in Italien – das müsse man sich vorher überlegen und abwägen gegen die Aufgabe, Menschen zu retten – vor Folter und Tod. Wichtig sei, sich die Gedanken vorher zu machen, nicht erst in der Situation. Denn dann „muss man die getroffene Entscheidung nur noch umsetzen“.

Wie subversiv ihr Tun sein, fragte der Journalist Ralf Rohrmoser-von Glasow. Carola Rackete: „Man würde denken, dass das Retten von Menschen auch in ein konservatives Weltbild passt.“ Es gehe um den Schutz des Lebens und um Werte, die man allen Kindern mitgebe.